Christine Aschenberg-Dugnus

Gastbeitrag: Corona - Schlüsse aus der Krise

Wir haben unsere persönliche Freiheit eingeschränkt, um uns alle und die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Jetzt aber sind wir in einer anderen Lage als noch zu Beginn der Pandemie: Krankenhaus- und Beatmungsplätze sind vorhanden, Versorgungsengpässe bei Schutzmaterialien werden geschlossen und die Infektionszahlen sind rückläufig. Unseren Blick müssen wir nun auf die gesellschaftlichen Folgen jenseits von Corona richten. Menschen haben Sorge um ihre wirtschaftliche Existenz und nehmen gesundheitlichen Schaden. Kinder werden durch Schulschließungen bei der Bildung abgehängt. Gesundheitsschäden entstehen bzw. werden durch verschobene Operationen und ausbleibende Vorsorgeuntersuchungen in Kauf genommen. Lockerungen können und müssen jetzt dort umgesetzt werden, wo der Mindestabstand und die Hygienevorschriften eingehalten werden. Wir brauchen zudem ein Konzept, das Regeln für die genannten Lockerungen vorschreibt.

Die Coronakrise hat indessen die Schwachstellen des Gesundheitssystems in Deutschland offen aufgezeigt, das zu einem Großteil noch immer auf dem Papier stattfindet und kaum über eigene Produktionsstandorte für Schutzkleidung verfügt. Auch wurden Corona-Fallzahlen seit Beginn fehlerhaft, unvollständig und zeitverzögert übermittelt. Eine genaue statistische Erhebung war so nicht möglich. Das Deutsche Elektronische Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz (DEMIS) hätte derartige Komplikationen durch eine schnellere Datenübermittlung verhindern können, befindet sich derzeit aber noch immer im Aufbau. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gab eine Umsetzung bis zum 31. Dezember 2020 in Auftrag, der Projektbeginn war am 1. Januar 2016. Hier hätten wir uns deutlich mehr Nachdruck gewünscht.

Im internationalen Vergleich hinken wir außerdem bei der Digitalisierung hinterher. Deshalb werden wir als Freie Demokraten im Deutschen Bundestag einen Antrag einbringen, mit dem Ziel, das Gesundheitswesen im Sinne der Patientinnen und Patienten mithilfe der Digitalisierung weiter zu modernisieren. Unser Gesundheitssystem soll dadurch effektiver und Deutschland als Forschungs- und Entwicklungsstandort gestärkt werden.

Vor allem aber hat die Coronakrise gezeigt, dass wir in Deutschland eigene Produktionsstätten für Schutzkleidung benötigen. Bestenfalls auch Standorte in Schleswig-Holstein.

 

Erstveröffentlichung des Beitrags im SHZ-Verlag am 7. Mai 2020.